Giuseppe Balsamo, genannt Graf Cagliostro (1743-1795) wurde zum Symbol eines Magiers, aber im Sinne eines Quacksalbers und Scharlatans.
Als Sohn eines Kaufmanns in Palermo geboren kam er mit dreizehn Jahren in ein Kloster, aus dem er wegen groben Unfugs bald wieder hinausflog. Er wandte sich dem Metier der Schwindeleien zu. Nachdem er einen Mitbürger um 60 Unzen Gold geprellt hatte, sah er sich gezwungen Palermo zu verlassen und schloss sich einem fahrenden Zauberkünstler an, mit dem er den Orient bereiste und auch selbst als Zauberer und Artist auf öffentlichen Plätzen auftrat.
Nach seiner Rückkehr nach Italien heiratete er die Tochter eines Sattlers, eine angeblich sehr schöne Frau namens Laurencia Feliciani. Sie unterstütze ihn in all seinen Bestrebungen und war sich nicht dafür zu schade, ihre körperlichen Reize in den Dienst seiner Geschäfte zu stellen. Gemeinsam zogen sie kreuz und quer durch Europa, durch Norditalien, England, Frankreich und Deutschland. Überall trat Cagliostro als geheimnisvoller Alchimist auf, der angeblich im Besitz des Steins der Weisen war und aus Kupfer Gold erschuf, Kieselsteine in Diamanten verwandelte oder Lebenselixiere zur Verjüngung und Heilung von Krankheiten anbot.
In London trat er als Comte Cagliostro in eine Freimaurerloge ein und erneuerte die dortigen Rituale mit großer Kreativität, indem er ein sogenanntes "ägyptisches System" einführte, das er sich aus verschiedenen halböffentlichen Geheimlehren zusammengebastelt hatte. Auch in England bewegte er sich in verschiedenen Freimaurerlogen. In Den Haag gründete er unter dem Vorsitz seiner Frau sogar eine Damenloge.
Es hielt ihn jedoch nie an einem Ort. In Paris wurde er in eine Betrugsaffäre verwickelt, die sogenannte "Halsbandgeschichte" des Generals Rohan und in Folge 9 Monate lang in der Bastille eingesperrt. 1789 geriet er der Römischen Inquisition in die Hände. Seine Frau bekannte sich der Ketzerei für schuldig und wurde zu einem Leben hinter Klostermauern verurteilt. Cagliostro selbst wurde zunächst zum Tode verurteilt, später zu lebenslanger Haft begnadigt. Er versuchte das Äußerste, um aus der Haft zu entwischen. Der Versuch, seinen Beichtvater zu erdrosseln scheiterte – er hatte geplant, in dessen Gewändern seinem Verlies zu entkommen. 1795 starb er in Gefangenschaft.
Cagliostros zweifelhafter Ruf hat sich bis heute erhalten und findet sein Echo in der deutschen Klassik, zum Beispiel in Schillers unvollendetem Roman "Der Geisterseher" oder in Goethes Lustspiel "Der Großkophta".
Cagliostro war mit Sicherheit kein Zauberkünstler, der seinem Berufsstand Ehre gemacht hätte - aber ohne ihn wäre die Geschichte der Zauberkunst um eine Note ärmer.
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